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Die frühe Reha nach Knie-OP | Welche 4 Übungen Du einfach kennen musst

Nach einer Knie-Operation stellt sich oft schnell dieselbe Frage:
Was kann – und sollte – ich jetzt schon tun?

Gerade in den ersten Tagen und Wochen entscheidet sich viel.
Nicht durch harte Belastung, sondern durch kontrollierte Bewegung, gute Orientierung und ein Gefühl für das eigene Knie.

In diesem Beitrag zeige ich Dir vier einfache Übungen, die sich in der frühen Reha nach einer Knie-OP bewährt haben – inklusive Videoanleitung.


Chirurgen bei einer Knie-OP
Wie geht es nach der Knie-OP weiter?
Bild von Sasin Tipchai auf Pixabay

Für wen ist dieser Beitrag gedacht?

Dieser Beitrag richtet sich an Dich, wenn Du:

  • frisch am Knie operiert wurdest
  • die Zeit bis zur ersten Physiotherapie sinnvoll überbrücken möchtest
  • verstehen willst, welche Bewegungen jetzt sinnvoll sind – und welche nicht

Die Übungen ersetzen keine individuelle Physiotherapie, können aber ein guter und sicherer Start sein.

Warum ist die Kniebeweglichkeit nach einer Knie-OP so eingeschränkt?

Nach einer Knie-OP reagiert das Gelenk fast immer mit:

  • Schwellung
  • Schutzspannung der Muskulatur
  • eingeschränkter Streckung und Beugung

Das ist normal.
Problematisch wird es erst, wenn Bewegung komplett gemieden wird oder unkontrolliert erfolgt.

Ziel der frühen Reha ist daher nicht „Training“, sondern Orientierung, Kontrolle und Vertrauen.

Die 4 Übungen zur Knie-Kontrolle

Die folgenden Übungen haben sich in der frühen Phase nach einer Knie-OP bewährt und lassen sich ohne zusätzliche Hilfsmittel durchführen.


Übung 1: Kniebeuger kontrollieren

Nach einer Knie-OP reagieren die hinteren Oberschenkelmuskeln häufig mit erhöhter Spannung.
Diese Übung hilft, diese Spannung kontrolliert zu regulieren.

So arbeitest Du:

  • Bauchlage, Fuß entspannt über der Unterlage
  • kurze isometrische Anspannung in die Kniebeugung
  • anschließend bewusst loslassen und das Knie weiter absinken lassen

Wichtig:

  • kein Krafttest
  • Spannung nur leicht bis moderat
  • Atmung ruhig halten

Hinweis:
Mit einem Übungspartner ist die Kontrolle einfacher. Alleine kannst Du mit einer Handtuchrolle unter dem Sprunggelenk arbeiten und den Gegenhalt über das gesunde Bein dosieren.

Ziel:
Die überaktive Oberschenkelrückseite beruhigen und die Streckfähigkeit vorbereiten.


Übung 2: Aktive Kniesteckung

Die aktive Streckung ist eine zentrale Bewegung in der frühen Reha.
Hier geht es nicht um Kraft, sondern um gezielte Muskelansteuerung.

So arbeitest Du:

  • Rückenlage oder leicht aufgesetzt
  • Oberschenkel und Knie entspannt unterlagert
  • Fuß von der Unterlage abheben und das Knie aktiv strecken

Wichtig:

  • Bewegung kommt aus dem Knie, nicht aus der Hüfte
  • Fokus auf Spannung im vorderen Oberschenkel
  • langsam, kontrolliert

Ziel:
Den Quadrizeps wieder aktivieren und die Streckbewegung sauber anbahnen.


Übung 3: Kniepumpe

Diese Übung unterstützt die Regulation von Schwellung und verbessert die Durchblutung.

So arbeitest Du:

  • Rückenlage oder Langsitz
  • Knie möglichst ohne starke Unterlagerung
  • Kniescheibe aktiv nach oben ziehen (hüftwärts)

Wichtig:

  • rhythmisch anspannen und lösen
  • gleichmäßiges Tempo
  • keine Schmerzen provozieren

Ziel:
Schwellung reduzieren und Bewegung ohne Belastung ermöglichen.


Übung 4: Kniekontrolle in Bauchlage

Zum Abschluss steht die kontrollierte Streckbewegung im Fokus.

So arbeitest Du:

  • Bauchlage, Fuß aufgestellt
  • Knie aktiv strecken
  • Kniegelenk und Oberschenkel leicht von der Unterlage abheben

Wichtig:

  • Fokus auf die Oberschenkelmuskulatur
  • Gesäß nur unterstützend einsetzen
  • Bewegung ruhig halten

Ziel:
Koordination, Kontrolle und Vertrauen in die Streckbewegung verbessern.


Wie oft solltest Du diese Übungen machen?

Kurz und ehrlich:

  • mehrmals täglich, aber
  • ohne Schmerzen
  • lieber kontrolliert als viel

Eine gute Orientierung:
Belastung maximal 2–3/10 auf der Schmerzskala.

Wenn Unsicherheit besteht oder Schmerzen zunehmen: Pause und Rücksprache halten.

Noch einmal der Hinweis: nach einer Knie-OP solltest Du Dich in die fähigen Hände eines Physiotherapeuten begeben. Die Übungen ersetzen keine adäquate Behandlung, sondern sollen es Dir möglich machen schon bald nach dem Eingriff die Zeit bis zur ersten Behandlung zu überbrücken.

Ob und in welchem Umfang die Übungen für Dich und Deine spezifische Operation geeignet sind, sprichst Du am Besten mit Deinem Physio oder dem operierenden Arzt ab!

Die Schwellung nach der Knie-OP geht nicht zurück – was tun?

Dass das Knie nach einer Operation länger geschwollen bleibt, ist keine Seltenheit.
Gerade in den ersten Wochen reagiert das Gelenk empfindlich auf Belastung, Reizung und ungewohnte Bewegungen.

Häufige Gründe für eine anhaltende Schwellung sind:

  • eine noch aktive Gelenkreizung
  • zu frühe oder zu hohe Belastung
  • fehlende oder zu geringe Muskelaktivität
  • zu wenig Wechsel zwischen Bewegung und Entlastung

Wichtig ist: Schwellung ernst nehmen, aber nicht in komplette Schonung verfallen.
Kontrollierte Bewegung ist oft ein zentraler Schlüssel, um den Abfluss zu unterstützen.

Was helfen kann:

  • regelmäßige, leichte Bewegung ohne Schmerzen
  • gezielte Aktivierung der Oberschenkelmuskulatur
  • kurze Pausen mit Hochlagerung des Beins
  • Rücksprache mit Physiotherapie oder Ärztin/Arzt, wenn die Schwellung zunimmt oder schmerzhaft wird

Bleibt die Schwellung über längere Zeit unverändert oder nimmt sie zu, sollte das Knie fachlich kontrolliert werden.

Videoanleitung zu allen Übungen

Eine ausführliche Videoanleitung zu allen vier Übungen findest Du hier:
Reha nach Knie-OP – Videoanleitung ansehen
(Hinweis: Das Video wird extern auf YouTube geöffnet.)

YouTube Thumbnail 4 Übungen nach Deiner Knie-OP

Wie es nach der frühen Reha weitergeht

Die frühe Phase ist nur der Anfang.
Langfristig geht es darum, das Knie wieder belastbar zu machen – für Alltag, Sport und Vertrauen in den eigenen Körper.

Wenn Du dabei Unterstützung brauchst:
Physiotherapie & Reha in Karben
Kreuzband-Reha & Trainingsaufbau

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Zum Schluss

Die frühe Reha nach einer Knie-OP braucht keine Hektik. Aber sie braucht Orientierung.
Wenn Du weißt, was Du tust und warum, ist der erste Schritt oft schon getan.