War er der erste Biohacker? Was Du von Sebastian Kneipp lernen kannst…

Nicht jeden Trend muss man mitgehen oder sogar verstehen. Biohacking ist ein Fitness-Trend, der polarisiert und oft auch sehr extrem herüberkommt. Die Grundidee ist allerdings nicht verkehrt – geht es doch darum den eigenen Körper besser kennenzulernen und zu optimieren. Also leistungsfähiger und gesünder zu werden. Klingt gar nicht mal so verkehrt, oder?


Ob man dann so weit gehen muss seinen Schlaf und jegliche Bewegung zu tracken – sprich zu messen und zu speichern? Da bin ich persönlich raus: habe ich genau das nämlich exzessiv in der Phase gemacht als Triathlon mein Leistungssport war, ist es für mich heutzutage kaum mehr vorstellbar – auch wenn die Möglichkeiten durch die Digitalisierung mit ihren Smartwatches und Smartphones durchaus vielfältiger geworden sind.
Und wie sieht es mit der Ernährung beim Biohacking aus? Eine gesunde ausgewogene Ernährung mit dem richtigen Essrhythmus und einer geringfügigen Supplementierung mit den richtigen Nahrungsergänzungsmitteln? Auch nicht verkehrt. Allerdings häufig in der Biohacking-Szene ad absurdum geführt.
Den Schlaf optimieren? Ausreichend Schlaf von 8 Stunden sollte schon sein um den Körper regenerieren zu lassen und nicht größere Probleme mit der Gesundheit zu riskieren. Und eine entsprechende Schlafhygiene – sprich eine ruhige Umgebung zum Schlafen und ein reduzierter Medienkonsum oder etwas Meditation am Abend um zur Ruhe zu kommen klingt auch logisch. Dann sollte die bei Biohackern beliebte Brille, die blaues Licht filtert, auch überflüssig sein.

Und dann gibt es da die eiskalten Duschen oder sogar Eisbäder. Wow, das braucht Überwindung! Aber die postiven Effekte auf den Körper und die Leistungsfähigkeit werden mehr und mehr erforscht und überzeugen.
Doch schon im 19. Jahrhundert hatte der Pfarrer Sebastian Kneipp eine ähnliche Beobachtung gemacht und ich durfte seine Anwendungen in der Physiotherapie-Ausbildung im Fach Balneologie kennenlernen.

„Die Natur ist die beste Apotheke.“

Sebastian Kneipp
Eisbedeckter See für das Eisbaden beim Biohacking
Lädt Biohacker zum Baden ein – ein eiskalter See.
(Bild von Matthias Groeneveld via Pixabay)

Und gerade seine Anwendungsserie der Kneipp’schen Güsse macht den Einstieg in die kalte Thermogenese (wie die Hydrotherapie im Biohacking genannt wird) erträglich.
Wie kannst Du diese Güsse für Dich nutzen?
Wenn Du duschst oder badest kannst Du Deine Beine und/oder Arme mit kaltem Wasser abbrausen. Kneipp empfahl damals herzfern anzufangen: also erst das rechte Bein und zwar von unten nach oben. Dann das linke Bein – Fuß bis Hüfte. Dann optional noch Deinen rechten Arm (Hand bis Schulter) und das ganze Links wiederholen.
So kann man sich langsam an die Hydrotherapie rantasten und nach kurzer Zeit dürfte auch einer komplett kalten Dusche nichts mehr im Wege stehen – aber auch hier solltest Du langsam steigern und erst einmal mit 15 kalten Sekunden am Ende Deines Duschens beginnen.

Damit bist Du dann auch schon auf dem besten Wege ein Biohacker zu werden! Zumindest tust Du Deinem Körper etwas Gutes…


Achtung! Das Wohlbefinden sollte bei solch einer Anwendung im Vordergrund stehen. Solltest Du Dir trotz der sanften Steigerng unsicher sein, ob eine Anwendung wie die Kneipp’schen Güsse oder kalte Duschen etwas für Dich und Dein aktuellen Gesundheitszustand sind, konsultiere bitte erst Deinen Mediziner Deines Vertrauens! Bei manchen Gefäßerkrankungen, Herzerkrankungen oder entzündlichen Prozessen bzw. während einer akuten Erkältung sollte auf die Anwendung verzichtet werden.