Die frühe Reha nach einer Knie-OP | Welche 4 Übungen Du einfach kennen musst

Chirurgen bei einer Knie-OP
Wie geht es nach der Knie-OP weiter?
Bild von Sasin Tipchai auf Pixabay

Du wurdest gerade am Knie operiert oder es ist ein solcher Eingriff geplant? In diesem Beitrag kannst Du Dir einen Überblick verschaffen, welche Übungen nach einer Kreuzband-OP oder ähnlichen Operationen zeitnah gemacht werden sollten.
Am Ende des Beitrag verlinke ich Dir ein Übungsvideo, welches ich für Dich gemacht habe.

Ein erstes zu erreichendes Ziel nach einer durchgeführten Operation des Knies (neben der Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes also auch bei einer Totalendoprothese (TEP = künstliches Kniegelenk) oder einer Knie-Athroskopie beispielsweise bei Meniskusschaden) ist meistens die Wiederherstellung der fehlenden Kniestreckung. Eine abweichende Zielsetzung sollte man über einen Entlassungsbrief und/oder ein Nachbehandlungsschema vom Chirurgen erhalten. Hier lohnt sich oft ein zielgerichtetes Nachfragen beim Arzt um Sicherheit für den weiteren Behandlungsverlauf zu erhalten!

Warum ist meine Kniebeweglichkeit nach einer Knie-OP so eingeschränkt?

Für ein Defizit der Kniestreckung sind in den ersten Tagen und Wochen nach einer Operation häufig die Schwellung des Gelenks und etwaige Schmerzen verantwortlich. Damit einhergehend aber auch eine schlechte Ansteuerung des Kniestreckers (Quadrizeps-Muskel) und eine Überaktivität in der Oberschenkelrückseite (ischiocrurale Muskulatur). Dies passiert über unser Nervensystem, kann aber durch regelmäßiges Üben beeinflusst werden:

1. Hamstrings kontrollieren lernen

Für die erste Übung legst Du Dich auf den Bauch, so dass Dein Fuß leicht in einen Überhang kommt bzw. wenn Du erstmalig übst muss man eher sagen „kommen könnte“. Ein Übungspartner hält nun Deine Ferse fest und Du spannst für einen Moment in die Kniebeugung gegen den Widerstand. Diese sogenannte isometrische Spannung soll kein Wettbewerb werden, also lieber leicht, dafür aber ein paar Sekunden halten. Dann lässt Du los und Dein Übungspartner stützt Deinen Fuß von unten, so dass Du ganz loslassen kannst. Stück für Stück solltest Du Dein Knie dabei weiter herabsinken lassen können.

Mit einem Übungspartner ist diese Übung einfacher, aber auch allein kannst Du sie absolvieren: Unterlagere Dein Sprunggelenk mit einer Handtuchrolle, die Du nach und nach dünner rollen kannst. Der Fuß Deines nicht betroffenen Beins kann für den notwendigen Gegenhalt für die isometrische Anspannung sorgen.

Ziel dieser Übung ist es die überaktive Muskulatur der Oberschenkelrückseite (ischiocrurale Muskulatur = Hamstrings) kontrollieren zu lernen und ein wenig zu beruhigen. Diesen Spannungsunterschied kann man meist im Seitenvergleich durch leichten Druck vor und nach der Übung ertasten.

2. aktive Kniesteckung

Nun legst Du Dich auf den Rücken und unterlagerst Deinen Oberschenkel und Knie, so dass Du entspannt liegen kannst. Alternativ kannst Du Dich auch leicht aufsetzen um Dein Knie besser zu sehen und somit Deine Muskeln noch besser ansteuern zu können. Aus dieser Position hebst Du Deinen Fuß von der Unterlage ab und streckst das Kniegelenk.

Achte dabei darauf, dass Du nicht aus der Hüfte das Bein anhebst sondern die Kniestrecker dafür benutzt. Nun sollte auch Spannung in den mittleren Anteil Deines Kniestreckers kommen – also in den Vastus medialis Deines Quadrizeps. Auch hier hilft das vergleichende Tasten an beiden Beinen.

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3. Kniepumpe

Nun noch zur „Goldenen Übung“ für das Kniegelenk, ideal um die Knieschwellung anzugehen: In Rückenlage durchgeführt kannst Du im besten Fall Dein Bein ohne Unterlagerung ablegen, ansonsten unterstütze Dein Knie wieder mit einer kleinen Handtuchrolle.

Zum ersten Üben und besseren Ansteuern begib Dich ruhig wieder in den Langsitz. Aus dieser Position ziehst Du Deine Kniescheibe nach oben, also hüftwärts. Dies gelingt Dir durch das Anspannen Deines zuvor schon trainierten Quadrizeps. Im Sekundenrhythmus spannst Du an und lässt wieder locker – ähnlich dem Tempo, wenn Du einen Spülschwamm ausdrücken und sich wieder vollsaugen lassen würdest.

4. Kniekontrolle in Bauchlage

Zum Abschluss legst Du Dich noch einmal auf den Bauch und stellst den Fuß auf die Unterlage ab. Aus dieser Position führst Du Dein Knie in die Streckung und hebst damit Dein Kniegelenk und Deinen Oberschenkel von der Unterlage ab. Versuche den Fokus auf die Oberschenkelmuskulatur zu legen und nicht so sehr aus der Gesäßmuskulatur zu arbeiten.


Wie oft? Wie viel?

Pauschal kann man das nicht beantworten. Zu Beginn empfehle ich Patienten die Übungen 2-3 Mal am Tag zu absolvieren. Frisch nach einer Operation ist es noch eine ziemliche Herausforderung und bedarf viel Konzentration. Später wird jedoch die Ansteuerung zunehmend leichter.

5-10 Minuten solltest Du Dich mit den Übungen beschäftigen, zu Beginn aber auch vermehrt mit Pausen. Und im Nachgang sollte sich Dein Knie besser und leichter anfühlen – es hilft Dir nicht die Knie-Übungen zu forcieren.

Noch einmal der Hinweis: nach einer Knie-OP solltest Du Dich in die fähigen Hände eines Physiotherapeuten begeben. Die Übungen ersetzen keine adäquate Behandlung, sondern sollen es Dir möglich machen schon bald nach dem Eingriff die Zeit bis zur ersten Behandlung zu überbrücken. Ob und in welchem Umfang die Übungen für Dich und Deine spezifische Operation geeignet sind, sprichst Du am Besten mit Deinem Physio oder dem operierenden Arzt ab!

Hier noch wie zu Beginn versprochen das Ganze in bewegten Bildern:

YouTube Thumbnail 4 Übungen nach Deiner Knie-OP

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